Der Reissektor und der Faire Handel
Der Reishandel
Während einige Basmati-Reisbauern durchaus erfolgreich am Export-Geschäft teilnehmen, leben viele Kleinbauern am Existenzminimum. Üblicherweise verkaufen diese an lokale Zwischenhändler, die ihnen die Preise diktieren und diese zeitweilig sogar unter die Produktionskosten drücken. Viele verschulden sich hoch. Im Gegenzug haben die ausländischen Einkäufer keine direkten Beziehungen zu den Farmern, sondern kaufen anonym über die Zwischenhändler oder auf Auktionen ein.
Die massiven Agrarsubventionen für Reisbauern in den USA oder Südeuropa haben zudem dafür gesorgt, dass in den letzten Jahren Reis aus diesen Ländern zu Niedrigstpreisen den Weltmarkt erobert und die Preise gedrückt hat. Für viele Reisbauern in Asien und Nordafrika bedeutete das den Ruin.
Wie funktioniert der Faire Handel mit Reis?
Für den fairen Reishandel gelten Mindestpreise, die von der Fairtrade Labelling Organization (FLO) und ihren nationalen Mitgliedsorganisationen in Abstimmung mit den Produzenten festgesetzt werden. Sie sind unabhängig von den Preisschwankungen auf den Märkten zu bezahlen. Für indischen Basmatireis gilt ein Mindestpreis von 243 Euro pro Tonne Reis plus 20 Euro Aufschlag für Bio-Anbau. Der Mindestpreis deckt alle Produktionskosten ab, die unter menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen durchschnittlich entstehen. Liegt der aktuelle Marktpreis höher als der Mindestpreis, muss der Marktpreis bezahlt werden. Zusätzlich erhalten die Kleinbauerngenossenschaften in jedem Fall pro Tonne Reis eine Fairtrade-Prämie von 30 Euro für Investitionen in die Infrastruktur, in Bildung, Gesundheit und ökologische Verbesserungen. Die Händler sind zudem verpflichtet, langfristige Verträge mit den Bauern abzuschließen, so dass die Genossenschaften für die Zukunft planen können und eine nachhaltige Entwicklung möglich wird.
Welche Kriterien erfüllen die Produzentenorganisationen?
In das Reis-Produzentenregister können Kleinbauernorganisationen aufgenommen werden, die sich zur Einhaltung folgender Kriterien verpflichten:
➢ Die jeweilige Organisation ist unabhängig und wird von ihren Mitgliedern demokratisch kontrolliert. Dies gilt besonders für die Verwendung des Mehrerlöses aus dem Fairen Handel.
➢ Transparenz von Management und Verwaltung müssen unbedingt gegeben sein.
➢ Die einzelnen Organisationen sind offen für neue Mitglieder und lehnen jegliche Diskriminierung ab.
➢ Angestellte Arbeitskräfte müssen an den Vorteilen des Fairen Handels beteiligt werden.
➢ Die Organisationen verpflichten sich, arbeitsrechtliche und ökologische Mindeststandards umzusetzen, dazu zählen unter anderem:
- Das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit
- Maßnahmen zum Gewässer und Erosionsschutz
- Schrittweise Reduktion im Gebrauch von Pestiziden
Was müssen Importeure & Hersteller für das Fairtrade-Siegel tun?
Nur wer sich vertraglich verpflichtet, die Kriterien des Fairen Handels einzuhalten und dies auch von der FLO-CERT GmbH (Niederlassung Köln) kontrollieren zu lassen, darf seine Produkte mit dem Prozent-Siegel auszeichnen.
➢ Reis wird nur bei Produzentenorganisationen gekauft, die im FLO-Produzentenregister verzeichnet sind.
➢ Kaufverträge werden zu den festgelegten Mindestpreisen abgeschlossen. Stand Februar 2006: Der Mindestpreis für indischen Basmati-Reis liegt bei 243 Euro pro Tonne plus 20 Euro für Bio-Anbau. Die Fairtrade-Prämie von 30 Euro pro Tonne ist zusätzlich zu bezahlen.
➢ Für die Verwendung des Fairtrade-Siegels ist eine Lizenzgebühr von 0,08 Euro pro kg Reis zu entrichten. Dies schmälert nicht die Einnahmen der Produzenten.
➢ Transport, Verarbeitung und Verpackung des Fairtrade-Reises muss getrennt von anderen Reisprodukten erfolgen und jederzeit nachvollziehbar sein.
➢ Alle Verträge und Vorgänge müssen jederzeit von FLO eingesehen und kontrolliert werden
