Montero

Un article de Luc Marteling

TransFair-Minka unterstützt die Kleinbauern in den peruanischen Anden

Als eine Delegation der Luxemburger Initiative für einen gerechten Handel mit der Dritten Welt Ende 2004 Peru bereiste, versprach sie, den Bauern in dem kleinen Bergdorf Montero zu helfen. Auftrag erledigt heißt es nun, nachdem dort am 29. Juli eine neue Zuckerverarbeitungsfabrik eingeweiht wurde. Aber Zucker ist und bleibt ein problematischer Rohstoff ...

Manchmal werden Träume wahr. Das müssen die "Manager" der Kooperative Cepicafe wohl gedacht haben, als sie erfuhren, dass Luxemburg ihnen zwei Anlagen zur Verarbeitung von Zuckerrohr finanzieren würde. Was war geschehen?

Ende Oktober, Anfang November 2004 ist TransFair-Minka zusammen mit zwei Vertretern der Supermarktkette Cactus in Peru unterwegs. In dem entlegenen Bergdorf Montero , nahe der peruanisch-ecuadorianischen Grenze, schildern die Bauern ihnen ihre Sorgen und Ängste, schon keimt in TransFair-Präsident Jean-Louis Zeien der Gedanke, etwas für sie zu unternehmen. Er überzeugt Cactus-Marketingdirektor Henri Jungels, der 20 Prozent des Umsatzes mit TransFair-Produkten in einer "Quinzaine du commerce équitable" Anfang 2005 für ein Projekt zur Verfügung stellt. Hinzukommen einige private Spenden, jedenfalls genug um ein "Cofinancement" bei der luxemburgischen Kooperation zu beantragen.

Die etwa 55000 Euro reichen aus, um zwei "Plantas de procesamiento de panela" zu bauen. Zuckerverarbeitungsanlagen. Beide in Nordperu, in der Region Piura, Provinz Ayubaca; die eine in Frías, die andere oberhalb von Montero, unmittelbar in den Zuckerrohrplantagen gelegen. Letztere wird von der "Appagrop Marmas bajo" betrieben. Es handelt sich dabei um eine kleine Vereinigung von Landwirten, die Abkürzung "Appagrop" steht für "Associación de pequeños productores agropecuarios". 81 solche "Appagrops" sind in der Dach-Kooperative Cepicafe mit Sitz in Piura vertreten , insgesamt 6363 Produzenten.

Dank an Luxemburg

Bei der feierlichen Einweihung der Zuckerrohrverarbeitungsanlage am vergangenen 29. Juli freuten sich sowohl die Mitglieder der "Appagrop" als auch die Verantwortlichen von Cepicafe. Voll des Lobes waren sie in ihren Ansprachen für Luxemburg und TransFair-Minka, denn jetzt könnten sie den Zuckerrohrsaft endlich zu einer qualitativ hochwertigen "Panela" weiterverarbeiten, statt nur zu minderwertiger "Chancaca" oder gefährlichem "Agua de fuego" - Feuerwasser alias Zuckerrohrschnaps . Und dieser Mehrwert ("valor agregado") bringe auch Mehreinnahmen: Statt 20 Nuevos Soles (etwa 5 Euro) seien nun 70 Nuevos Soles (über 17 Euro) für einen "Quintal", also einen Zentner Zucker bzw. Panela, möglich.

José Rojas Hernández, der Generaldirektor von Cepicafe, der eigentlich ganz gut deutsch spricht, meinte bei der Einweihungsfeier: "Ich kann auf Deutsch kaum ausdrücken, was ich in diesem Augenblick fühle." Dafür drückte er die Hoffnung aus, dass von der Anlage ganz Montero profitieren werde, so dass etwa die Kinder zur Schule gehen und die Häuser verschönert werden könnten.

In einer sehr engagierten Rede betonte der beigeordnete Generaldirektor von Cepicafe , Santiago Paz Lopez, dass es weniger ums Geld, sondern vielmehr um das Heben des Lebensniveaus gehe: "Wir müssen erreichen, dass die Produzenten sich wieder von ihrem Boden ernähren können. Das ist das Allerwichtigste. Deshalb müssen wir unsere landwirtschaftlichen Fähigkeiten ausbauen."

Jean-Louis Zeien, Präsident von TransFair-Minka, unterstrich seinerseits, dass die Solidarität der wahre Reichtum einer Nation sei - und nicht etwa die Banken.

Viele weitere Redner ergriffen an dem Sonntagvormittag das Wort, immer wieder unterbrochen von den Lauten eines mitteilungsbedürftigen Esels. Nach dem Mittagessen wurden dann große Boxen aufgestellt, so dass unter dem improvisierten Zeltdach noch echte Partystimmung aufkam ...

Export ja, aber nicht nach Luxemburg

Ein Jahr dauert es, bis ein Zuckerrohrstängel "geerntet" werden kann . Er wird mit einer Machete abgeschnitten und kommt in die Presse, die früher von Eseln, heute aber von Motoren betrieben wird. Sein überraschend reichlich in ihm enthaltener Saft wird dabei herausgepresst, gefiltert und anschließend gekocht, in vier verschiedenen Kesseln bei vier verschiedenen Temperaturen. Das dazu nötige Feuer wird übrigens durch das Verbrennen der ausgequetschten und getrockneten Zuckerrohrstängel angefacht.

Beim Kochprozess verdunstet das Wasser, zurückbleibt das "Batido", das sich beim Abkühlen kristallisiert. Das gelbe Granulat wird noch an Ort und Stelle gesiebt und in Säcken von 50 Kilogramm nach Piura gebracht. In der dortigen Fabrik von Cepicafe wird es weiterverarbeitet, sprich untereinander vermischt, damit etwa Farbe und Geschmack immer gleichbleibend sind. Schließlich wird der süße "Kristallzucker" in Tütchen à 500 Gramm verpackt und versandfähig gemacht. In Frankreich und in Italien ist der braune Panela-Zucker von Cepicafe aus dem peruanischen Piura bereits zu haben .

Blüten der Globalisierung

Bleibt die Frage, wieso Luxemburg eine Zuckerverarbeitungsfabrik im hohen Norden von Peru finanziert, wenn der Zucker, der dort hergestellt wird, nicht einmal im Großherzogtum erhältlich ist. "Ich will nicht ausschließen, dass dies nicht doch demnächst der Fall ist", entgegnet Jean-Louis Zeien auf die Frage und verweist auf die Verbindung zwischen Cepicafe und der luxemburgischen Supermarktkette Cactus . Außerdem sei Cepicafe gerade dabei zu diversifizieren, um nicht gleich in eine wirtschaftliche Schieflage zu geraten, sobald ein Markt Probleme bereitet.

So stellt die Piuraner Vorzeigekooperative, die in erster Linie natürlich Kaffee vermarktet, inzwischen nicht weniger als acht Sorten Marmelade mit exotischen Geschmacksrichtungen für das französische FairTrade-Label "Ethiquable" her. 100 Prozent der Produktion landen somit im fairen Handel. Natürlich ist es denkbar, dass die leckere Marmelade demnächst auch in Luxemburg zu bekommen ist, und natürlich ist es denkbar , dass der peruanische Panela-Zucker in dieser leckeren Form nach Luxemburg gelangt .

Der Haken bei der Sache ist allerdings: Bis dato verwendet Cepicafe nicht den selbst hergestellten Zucker für die Marmelde. Die Kooperative greift "aus Vermarktungsgründen und um den Geschmack der europäischen Kundschaft zu treffen" auf fair gehandelten Zucker aus Costa Rica zurück. Der ist weiß und raffiniert, was nicht auf Cepicafes Rohrzucker zutrifft. Dabei handelt es sich nämlich um "Panela", was man als nicht raffinierten braunen Zucker oder als kristallisierten Zuckerrohrsaft beschreiben könnte, der angeblich noch mehr Mineralstoffe enthält als raffinierter Zucker.

Der Import dieser Panela wird also wohl noch etwas auf sich warten lassen, trotzdem fallen Jean-Louis Zeien genug Gründe für ein Engagement Luxemburgs in der peruanischen Pampa ein. "Es geht sowohl um die Bekämpfung der Armut und der Landflucht als auch um die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung", so der TransFair-Präsident , der betont, dass diese Ziele von den beiden Hauptfinanciers der Zuckeranlagen verfolgt würden - von der luxemburgischen Kooperation wie von Cactus.

Agrarpolitik versus Entwicklungshilfe?

Zeien geht aber noch einen Schritt weiter. Er stellt die beiden neuen Anlagen in den Kontext der sogenannten Millenniumsziele: "Wenn wir die Armut in der Welt bis 2015 halbieren wollen, dann müssen konkrete Aktion erfolgen. Dann müssen wir zum Beispie die wirtschaftliche Struktur der Kooperativen stärken, damit die Bevölkerung auf dem Land eine Überlebenschance hat. Nur wenn wir den Menschen dort ihre Lebensgrundlage erhalten, dann können wir ein Anwachsen der Elendsviertel mit allen negativen Konsequenzen verhindern."

Aber macht es wirklich Sinn, Zucker um die halbe Welt zu karren, zumal wir in Europa viele Zuckerrüben anbauen? Wie steht es dabei mit den sogenannten "Food Miles" , also den Meilen/Kilometern, die Nahrungsmittel zurücklegen, bevor sie beim Verbraucher ankommen? Zeien holt weit aus: Natürlich sei der in Montero hergestellte Zucker in erster Linie für den peruanischen Markt gedacht. Doch den Export dürften wir nicht verbieten. Auch nicht in die EU, die ihrerseits vielen ärmeren Ländern das Leben schwer mache mit Dumpingpreisen und Subventionen und Einfuhrzöllen. "Außerdem kann man nicht ständig für eine freie Marktwirtschaft plädieren, dann aber bei der kleinsten Befürchtung Einfuhrbeschränkungen fordern. Gerade aus diesem Grund thematisieren wir den Zucker."

Das sei nämlich eine Frage der Kohärenz der Politik, denn man könne den Produzenten im Süden nicht auf der einen Seite mit Projekten helfen, gleichzeitig aber nicht die folgenschweren Beihilfen abschaffen. Allerdings würde sich in dieser Hinsicht in den Jahren 2009 und 2013 so manches ändern: "Dann wird der Zucker-Markt geöffnet , was sowohl den europäischen als auch den peruanischen Bauern vor enorme Herausforderungen stellt."

Um zu vermeiden, dass dann ausschließlich in riesigen Monokulturen und zu Dumpingpreisen Zucker angebaut werde, will TransFair ganz bewusst kleinbäuerliche Strukturen fördern . Und ein gänzlich freier Markt sei sowieso der falsche Weg: "Es muss soziale und umweltpolitische Spielregeln geben. Kurz, es bedarf einer regulierten Globalisierung" , so Zeien.

Nach dem Zucker die Kleider?

Im kommenden Herbst startet TransFair-Minka eine Sensibilisierungskampagne in Luxemburg mit dem Themenschwerpunkt Baumwolle. Ab dem 9. Oktober findet dann in den Drittweltländen sowie in den Cactus-Filialen wieder eine "Quinzaine du commerce équitable" statt, bevor die Supermarktkette dann im Mai 2008 ihrerseits eine fair gehandelte Sommerkollektion lanciert.

Text und Bilder: Luc Marteling



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